Blog WegWandern.ch – Verhalten bei Gewitter
Gut zu wissen, Natur & Kultur

Gewitter

Gewitter im Gebirge können schnell lebensgefährlich werden. Sie zählen zu den gefährlichsten Situationen bei einer Wandertour.

Wird man bei einer Wanderung plötzlich von einer Unwetterfront überrascht, kann es rasch brenzlig werden. Es gilt, sich rasch in Sicherheit zu bringen und sich richtig zu verhalten.

Wie man die Gefahren minimiert:

  • Aktuellen Wetterbericht des Gebietes prüfen sowie mögliche Wettereinflüsse aus dem Grossraum mit einbeziehen und Gewitter aus dem Weg gehen
  • Meiden von Gradwanderungen und Hochebenen bei Gewitterneigung sowie exponierten Stellen
  • Am Nachmittag steigt das Risiko der Gewitterneigung: Frühzeitig auf den Gipfel, um nachmittags absteigen zu können.
  • Wer ganz sicher gehen will, verzichtet an Tagen mit erhöhter Gewitterneigung auf die Gipfelbesteigung.
  • Auch bei meteorologisch prophezeitem Sonnenschein kann das Wetter in den Bergen spontan und rasch umschlagen
  • Unwetter und Gewitter frühzeitig erkennen und allenfalls die Tour doch abbrechen, besonders dann, wenn man sich auf Hochebenen, Gipfeln und auf ungeschützten und exponierten Gebieten befindet.
  • Immer wieder auf das sich entwickelnde Wetter achten – Augen auf zum Himmel in alle Richtungen und die Wolken und den Wind beobachten.

Die Zeichen liegen in der Luft – Wolken und Winde, Luftdruck:

  • Klares Zeichen ist Wetterleuchten und Donner in einer Entfernung. Hier die sich entwickelnde Richtung beobachten.
  • Kleine Quellwolken wie Cumuluswolken, die weiter in die Höhe wachsen, schliesslich an einen Amboss erinnern und an den Wolkenkanten zerfransen sind ein klares Indiz für Gewitter.
  • Häufig ziehen Gewitter GEGEN die am Boden herrschende Windrichtung. Richtung kontrollieren.
  • Multifunktionsuhr mit Barometer: Luftdruck beobachten!
  • Wenn der Luftdruck plötzlich stark abfällt, ist ein Unwetter sehr wahrscheinlich. Luftdruckabfall ist auch körperlich spürbar: eher müdere, schwerere Beine, grössere Anstrengungen werden spürbar, Herz-Kreislauf-Probleme könnten auftreten. Ein weiteres Wetterphänomen sind elektromagnetische und lichtschnelle Impulse, die so genannten Spherics. Häufig treten Spherics vor Gewittern, Schlechtwetter- oder Schönwetterfronten sowie bei einem Aufeinandertreffen von kalten und warmen Luftmassen auf. Sie eilen dem eigentlichen Wettergeschehen mit nahezu Lichtgeschwindigkeit voraus. Bei empfindlichen Personen kann es daher schon lange vor einem Wetterumschwung zu ersten Beschwerden kommen. Man nimmt an, dass Spherics die elektrische Reizübertragung des Nervensystems beeinflussen können. Eine Abschirmung von diesen Wellen oder Strahlen ist nicht möglich. Sie dringen durch jede Hauswand und verursachen so auch die bekannten Störungen im Radio. Ob und inwieweit Schwerewellen und Spherics tatsächlich Auslöser der Wetterfühligkeit sind, wird zurzeit in Studien untersucht.Schutz:
  • Die Spannung in der Luft nimmt mit der Nähe des Gewitters zu. Es können sich einem die Haare sträuben bis hin zum hörbaren Surren von Metallgegenständen. Das ist der allerspäteste Moment, sich von seinen metallenen Gegenständen zu trennen! Unverzüglich ALLE Gegenstände mit – auch nur kleinsten Metallteilchen – müssen vom Körper weit weg. Am Besten alles in den Rucksack und diesen viele Meter von sich weit weg hinlegen. Auch an Schuhe, Regenschirm, Taschenmesser, Wanderstöcke, Brillen, Gürtelschnallen und BH-Schnallen (!) etc. denken! Lieber ausziehen und heile wieder anziehen.
  • Meiden: Unbedingt aus der Landschaft herausragende Punkte wie Gipfel, einzelne Bäume und einzelne Felsen, Unterstandhütten und dergleichen meiden. Ein Blitzeinschlag ist dort sehr wahrscheinlich.
  • Hütten mit Blitzableiter sind ok.

Dem Gewitter komplett ohne Schutz ausgesetzt:

  • Unter einen grossen Felsvorsprung kauern*
  • In einer Senke kauern – siehe auch, wie kauern!
  • In einer trockenen Höhle kauern*
  • *Abstand zur Wand und Decke wahren! Nach hinten eine und nach oben und seitwärts eine halbe Körperlänge Abstand einhalten – Blitzeinschlag von oben und seitwärts mit Leitung zum Körper
  • Achtung bei Felsüberhängen auf Steinschlag und Sturzbäche achten
  • Meiden von Gruppen – Kühen, Menschen, Bäumen, Tieren
  • Erhebungen vermeiden wie Türme, Scheunen, Grate, Hochebenen, freistehende Bäume, Masten, Kletterstege, Leitern
  • Einzeln mit Abstand voneinander verweilen!
  • Nicht liegen sondern kauern oder sitzen: Beine ganz nahe zusammen, Beine nahe an den Körper ziehen. Die Fläche mit der Bodenberührung möglichst klein halten. Evt. eine isolierende Unterlage verwenden.
  • Ein Wald – im Vergleich zu einzelnen, gruppierten Bäumen – schützt vor Blitzeinschlag. Am Besten unter Laubbäumen stehen und nicht unter alten Bäumen, die dem Wind nicht mehr entgegen stemmen können. Nadelbäume wurzeln flach, Laubbäume wurzeln tiefer.
  • Weg vom Klettersteig und Leitern! Notfalls angeseilt bleiben, Sicherungsseil über den Boden führen und auf gar keinen Fall das Drahtseil berühren.
  • Weg vom Wasser: Es leitet! Nicht in der Nähe von Seen, Flüssen, Bächen. Möglichst trockene Unterstände – welche, siehe oben.

Besser: Eine gute Vorbereitung mit dem Wetterstudium und etwas Erfahrung darin wirken Wunder.

Siehe auch unter: „Wolken durchschauen“

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