Rigi Kulm-Hotel, Rigi Kulm
Historische Hotels, Historisches, Sommerserie 2018

Rigi Kulm-Hotel, Rigi Kulm

Die «Königin der Berge» ruft! Beim Blick in jede Himmelsrichtung von der Rigi breitet sich eine einzigartige, weltbekannte und viel gerühmte Weitsicht aus. Im ältesten Berghotel der Schweiz, dem Rigi-Kulm Hotel geniesst man ein fantastisches Panorama, vor allem bei Sonnenauf- und untergängen: «Ringsum die Herrlichkeit der Welt». 

 

Wanderbeschrieb

Auf der «Königin der Berge» steht das älteste Berghotel der Schweiz: Das Rigi-Kulm Hotel (+41 41 880 18 88). Es ist mit der langen Geschichte des berühmten Berges, der Rigi, intensiv verbunden. Das über 200 Jahre alte Gipfelhotel bietet heute seinen Gästen modernen Komfort mit nostalgischen Details. Und einen fantastischen Weitblick!

 

Der stolze «Inselberg» Rigi thront inmitten der Seen Vierwaldstätter-, Zuger- und Lauerzersee. Von Gästen aus aller Welt wurde er besucht. Darunter Adlige, Maler, Dichter, Philosophen, Künstler, Musiker, Wissenschaftler, Forscher, Touristen. Den Ausblick von dort oben bezeichnete Tolstoi «als einen der schönsten der Welt» in seinem Werk «Aus dem Tagebuch des Fürsten Nechljudow: Luzern». Die Rigi wurde auch so berühmt, weil all die bedeutenden Zeitgenossen ihre Eindrücke vom Naturerlebnis in die weite Welt hinaus trugen. Der Dekan des Klosters Einsiedeln, Albrecht von Bonstetten, definierte schon 1480 die Rigi als das «Zentrum der Welt».

Einst liess man sich im Hotel wecken, um den Sonnenauf- oder untergang erleben zu können. Scharenweise fanden sie sich dort oben dafür ein. «Weckruf» waren damals allerlei Töne des Alphorns. «Wir waren so todmüde, dass wir sofort einschliefen und uns nicht regten noch bewegten, bis die herrlichen Töne des Alphorns uns weckten.», schrieb Mark Twain in seiner Lektüre zur Bergbesteigung des Rigi 1879. «Einige Minuten waren wir tief ergriffen von dem wunderbaren Anblick und für alles andere tot. […] Wir konnten nicht sprechen, ja kaum atmen; wir standen in trunkener Verzückung und sogen diese Schönheit ein, […].» 


Oft über dem Nebelmeer. Die Ansicht über den Luzerner See hielt 1842 William Turner im weltberühmten Aquarell «The Blue Rigi – Lake of Lucerne – Sunrise» fest.

 

Von fliegenden Drachen zum grossen Touristenstrom

Der Luzerner Chronist Renward Cysat beschreibt, wie die Drachen zwischen dem Pilatus und der Rigi hin und herflogen. Der Legende nach hatten diese Urtiere ihre Nistplätze am Rigi-Südhang oberhalb von Vitznau. Aufgrund auch der guten Erreichbarkeit für die Menschen fand die Besiedelung der Rigi früh statt. In der Höhle «Steigelfadbalm» an der Südseite auf 960 m.ü.M. zwischen zwei Nagefluhbänken wurden von Neandertalern hergestellte Steinartefakte gefunden. Seit dem Mittelalter gibt es Alpbewirtschaftung. Bevor die Rigi zum «Modeberg» des 19. Jahrhunderts wurde, kamen Pilger. Die ersten «Touristen» erhofften sich Seelenheil und Genesung durch das Quellwasser der Kaltbad-Quelle, welche angeblich heilende Kraft besitzt. Denn Barthli Joler aus Weggis wurde durch das Baden im kalten Wasser gesund. Die Quelle wurde erstmals 1540 erwähnt. Ums Jahr 1600 kamen schon über 100 «Badetouristen» täglich. 1585 kam eine erste Kapelle samt Einsiedelei auf Rigi Kaltbad. Es kamen weitere Kapellen dazu: die Wallfahrtskapelle «Maria zum Schnee» (Rigi Klösterli) und die Kapuziner-Kapelle. Fast schon ein «Massentourismus» entwickelte sich, sodass etwa 1730 bereits 25000 Besucher pro Jahr verzeichnet wurden!

 

«Ringsum die Herrlichkeit der Welt»

Goethe fand zu seiner Zeit noch einen leeren Berg ohne touristische Infrastruktur vor, und der Weg war sehr viel fordernder. Sein Lohn: «Ringsum die Herrlichkeit der Welt», wie er seinen Eindruck beschreibt, anlässlich seines Besuches auf seiner ersten Schweizerreise 1775. Heute ist der Goethe-Wanderweg eine mittlere Herausforderung von etwa 3 Stunden für 6 Km. Und man kann sich heutzutage wunderbar verpflegen, ausruhen, die fantastische Aussicht geniessen!

Aber bis sich Herr und Frau Dolder am 14. August 1816 im Gästebuch, zusammen mit Regierungsrat Zürrer und Verleger Sauerländer aus Aarau, eintragen konnten, brauchte es noch einiges bis zum ersten Kulm-Berggasthaus der Schweiz.


Die Sonnenterrasse heute wo wohl einst auch Mark Twain sein Bier trank  

 

1816 wird das erste Kulm-Gasthaus eröffnet

Der Tuchschneider und Rigiführer Joseph Martin Bürgi beginnt 1814 mit den ersten Vorarbeiten auf der Kulm: Holzfällen, Transport der Baumstämme auf die Rigi uvm. Dank eines frühen Crowdfundings des berühmten Zürcher Panorama-Zeichners, Heinrich Keller, kamen bedeutende Spendensummen für den Bau des ersten Gasthauses auf Kulm 1815 zusammen: erstaunliche 971.– Schweizer Franken (heutiger Wert ca. CHF 25000.–). Der Aufwand zum Bau war riesig. Sämtliches Material musste zu Fuss und mit Pferden auf den Berg gebracht werden. Im zweiten Anlauf kam für die Hoteleinrichtung ein Betrag von CHF 1400.– (heute etwa CHF 36000.–) von 338 Gönnern zusammen.

Am 06. August 1816 war es soweit! Das erste Kulm-Gasthaus feierte Eröffnung. Es war allerdings eher eine grössere Alphütte aus Holz mit 6 Betten als ein grandioses Hotel im Luxus-Stil. Das kam erst. Für die Bewirtschaftung der Gäste musste alles noch immer zu Fuss hinaufgebracht werden.

Dank dem Beschluss der Luzerner Regierung aus 1819, einen mit Pferden begehbaren Weg auf die Rigi zu bauen, kamen bereits 1000 Gäste jährlich auf den Gipfel der «Königin der Berge». Ab 1832 konnte der Gast dann sogar bequem per Dampfschiff von Luzern aus anreisen und dann auf einen «Rigi-Träger» umsatteln. Das Geschäft der Säumer und «Rigi-Träger» boomte. Um 1860 kamen in Weggis 30 Pferdestationen mit rund 1000 Pferden zum Einsatz.

Die damaligen begüterten Touristen der Oberschicht suchten die bequemere Art des Reisens. Während in Genf 1834 das erste Luxushotel entstand, ging 1837 die Dampfschifffahrt auf dem Vierwaldstättersee mit der «Stadt Luzern» in Betrieb. Dank Ausbau der Schiffswege und den ersten Bergbahnen explodierte die Nachfrage der Reisenden geradezu, auch nach entsprechenden Unterkünften. 

 

Delikatesse: Murmeltierbraten?

Die Geld bringenden Gäste entwickelten höchste Ansprüche an die Gastgeber. Es ging soweit, dass die Betuchten vor der armen Bevölkerung der Bergregionen sogar auf Distanz gehalten wurden. Oft war es bei der Bergbevölkerung so, dass das Brot nicht zum täglichen Essen dazu gehörte, während die damalige Elite der Belle Epoque im Luxus schwelgte. Bettler hielten sich an manchen Orten auf, wo sich die Reichen auf ihre «Wanderung» machten und erhofften sich mit Alphornblasen oder mit selbst Geklöppeltem etwas Zubrot zu verdienen.

Um das Jahr 1875 kostete ein Tagesaufenthalt in einem der Luxuspaläste einen Arbeiter-Wochenlohn: CHF 20.–. Einst war ein Murmeltier-Gericht noch eine Delikatesse auf einer der Schutz spendenden, einfachen Alphütte und auch auf manchem Teller der armen Bergler. Während der Belle Epoque wurde fast schon «um die Wette» geschlemmt. Auch gleichzeitig im Wettlauf um die höchsten Bergspitzen geklettert. Besonders die Engländer, die nicht zum Tennisspielen kamen, wollten immer höher hinaus. Victor Hugo wollte eigentlich lieber auf den Pilatus steigen anstatt auf die Rigi: «Der Pilatus ist ein schroffer, wilder, von Wunderbarem durchdrungener, schwer zu besteigender, von den Touristen verlassener Berg; er verlockte mich sehr. […] Odry, ein Bergführer mit Sattelnase, […] weigerte mich zu führen (aufgrund des schlechten Wetters); ich musste mich mit dem Rigi begnügen.» «Die Rigi ist die Heldentat aller. […] Schlussendlich beschwere ich mich nicht über den Rigi […]», schrieb Victor Hugo 1839 seiner Adèle. 


Nach wie vor einer der schönsten Ausblicke der Schweiz!

 

«Das Zentrum der Welt»

Aufgrund dieses enormen Besucherbooms auf die Rigi eröffneten weitere Hotels; das Hotel Rigi Kulm (1847), Grandhotel Kaltbad (1849), Regina Montium (1856/57), Hotel Bellevue auf Kaltbad (1874), das legendäre Luxushaus Grandhotel Schreiber (1875) und das Hotel Rigi First (1875). Das Bettenangebot verzehnfachte sich. Im pompösen Luxushaus Grand Hotel Schreiber waren die besten Maître d’Hôtel und sogar der berühmte Koch Escoffier damit beschäftigt, der verwöhnten Kundschaft all ihre Wünsche zu erfüllen.

Sogar die Königin von England steigt 1868 zu Pferd von Küssnacht zum Aussichtspunkt Rigi Känzeli auf und notiert in ihr Tagebuch: «We are amused». Der amerikanische Weltenbummler Mark Twain besuchte 1879 das «Zentrum der Welt» und schrieb «A trip to Mt. Rigi». Zwei Jahre später war der Bayernkönig Ludwig II. im Hotel Rigi Kulm zu Gast und beschenkte es mit einem vergoldeten Teeservice, welches heute in der Glasvitrine im Hotel bewundert werden kann.

Scharen aus aller Welt, hauptsächlich aus England, Deutschland, Frankreich, Amerika und der Schweiz kamen dank des «Rigi-Boomes». Es wurden dank der Quelle Kaltbad auch gar manche Milch- und Wasserkur durchgeführt. Dafür wurden sogar Kühe und Ziegen in die Trinkhallen der Hotels gebracht, damit der Kurgast seine direkt vom Tier ins Trinkglas gemolkene Milch erhalten konnte – empfohlene Tagesration: drei Liter. 

Doch der jähe Abbruch des Touristenstromes der Reichen, Adligen und Touristen aus aller Welt auf die Rigi begann wegen des Ausbruches des Ersten Weltkrieges. Eine unheilvolle Zeit bringt ihre Veränderungen mit sich und führt dazu, dass Bahnstrecken eingestellt, abgebrochen oder Dampfloks zum Schrottpreis verkauft werden mussten. Hotels blieben leer. 

Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der darauf gefolgten Weltwirtschaftskrise erinnerte man sich der Tourismusregion Rigi wieder. Der Bund unterstützte eine Initiative des 1905 gegründeten Schweizer Heimatschutz zum Um- und Rückbau der grossen Berghotels als Erwerbsmöglichkeit für Arbeitslose. Es kam Unbehagen auf gegenüber den in den Bergen als urbane Fremdkörper empfundene Bauten der Belle Epoque, als deren Sinnbild sie galten. Der Heimatschutz setzte sich ein für die «Säuberung des Rigi-Gipfels». Die von einst glamourösen Luxushotels geprägte Rigi-Landschaft veränderte sich stark. Die grossen Hotels wurden zwischen 1949 bis 1954 abgerissen oder wurden Opfer von Bränden.


Kulmsaal in echtem Jugendstil, getafelt wird mit à la Carte-Serivce

 

Ein Hotel in neuem Glanz entsteht

Dank des Schwyzer Bauunternehmers Ernst Käppeli-Reichlin, der 1949 die Aktien der baufälligen Rigi Kulm-Hotels erwirbt, konnte doch einiges vom «alten Glanz» überdauern. Nach den Plänen des Architekten Max Kopp aus Zürich liess er das heutige Rigi Kulm Hotel bauen. Alle noch brauchbaren Materialien und Gegenstände wurden beim Neubau wiederverwendet. Parkettböden in den Zimmern, Sandsteintreppen und – Eckquader, Spiegel etc. zeugen noch heute vom Glanz der Belle Epoque. Auch das Geschenk, ein vergoldetes Teeservice, des Bayern Königs Ludwig II., der mehrmals mit seinem gesamten Gefolge Gast war, steht heute in der Vitrine im Speisesaal. Es wurden Vitrinen, Tafelsilber, Kaffeekännchen und vieles mehr in die heutige Zeit übernommen, damit die Hotelgäste einen Blick in die «goldigen Zeiten» der Belle Epoque werfen können.

Auch die 33 Zimmer bieten nach dem Umbau 2007 nostalgische Details, kombiniert mit modernem Design. Beispielsweise freistehende Badewannen, Parkettböden, Flat-Screen-TV, WLAN. Im stimmungsvollen Kulmsaal, im echten Jugendstil, kann wieder wunderbar mit à la Carte-Service getafelt werden. Aber auch für Gäste, die sich gerne selbst bedienen ist gesorgt.

Die Sonnenterrasse bietet sich noch immer an, sich der grandiosen Aussicht anzunehmen, von der man vielleicht niemals mehr weg möchte. Und die legendären Sonnenauf- und untergänge können noch immer bewundert werden. Vielleicht romantischer; denn heutzutage sind  bedeutend weniger Menschen zu früher oder später Stunde im Hotel Rigi Kulm zu finden gegenüber der Zeit der Belle Epoque. So lässt es sich wunderbar in Ruhe im «Zentrum der Welt» den goldenen Sonnenauf- und -untergang geniessen!


 Ein Berghotel mit Komfort und Stil

 


Moderner Komfort hoch oben auf der Rigi mit tollem Ausblick

 

 

 

Rigi Kulm-Hotel AG
Familie Käppeli
6410 Rigi Kulm
  +41 41 880 18 88
  www.rigikulm.ch
  

 

Wandervorschlag
  Rigi Scheidegg – Rigi Staffel – Rigi Kulm

 

Bilder: Rigi Kulm-Hotel
Text: WegWandern.ch (Claudia Ruf)

 

 

Quellen-Nachweis:
– Auszüge aus «Legendäre Reisen in den Alpen» S.187, Verlag Frederking & Thaler
– Auszüge aus: Strahlende Königin
– Auszüge aus: 200 Jahre Rigi Kulm – die Königin der Berge feiert Geburtstag
– Auszüge aus: Von der Hütte zum Massentourismus
– Auszüge aus «Berg Hotels – zwischen Alpweide und Gipfelkreuz». S. 89 von Roland Flückiger-Seiler – Verlag Hier und Jetzt
– Auszüge von www.rigi.ch

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