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Tipps

6 Ausrüstungstipps für Berg-Fotografen

Ganz grosse Fotografie geht meistens auch mit grossem Gewicht einher. Keine gute Kombination, wenn man auf schmalen Alpenpfaden wandelt und jedes einzelne Gramm sich nach ein paar Stunden in einschneidenden Tragegurten bemerkbar macht. Wer die Berge imposant ablichten will, sollte deshalb beim Equipment etwas umdenken.

Zugegeben, die Schweizer Berge brennen sich ins Gedächtnis. Bloss bringt das den Daheimgebliebenen nur wenig. Sie wollen Fotos sehen – und natürlich macht sich das Alpenglühen auch als grossformatiges Poster unter Glas im Wohnzimmer ganz hervorragend.

Für alle, die aus dem Bergurlaub mehr als nur Handy-Schnappschüsse mitbringen möchten, hier nun ein paar essenzielle Hardware-Tipps.

 

1. Reiseobjektiv und gut

Bei Spiegelreflexkameras und ihren spiegellosen Weiterentwicklungen gibt es für jede denkbare Foto-Situation passende Wechselobjektive. Doch jedes davon hat mindestens dreistellige Gramm-Gewichte.

Dabei sollten auch Sportliche sich nicht überschätzen: Oberhalb von 1500 Metern spürt man dank der ungewohnt dünnen Luft im anstrengenden Marsch jedes zusätzliche Gramm gleich doppelt. Statt mehreren Zoom-Objektiven oder gar Festbrennweiten empfiehlt es sich deshalb, auf das Universaltalent unter den Optiken zu setzen, das Reiseobjektiv.

Zwar kann das „alles, aber nichts perfekt“, aber:

  • Man muss nur das Gewicht einer Optik durch die Berge tragen.
  • Kein Objektivwechsel, keine Gefahr für Staub auf Chip oder Spiegel.
  • Kein umständliches Aus- und Einpacken von Wechselobjektiven, dadurch spontaneres Fotografieren.

Dass der maximale Blendenwert bei diesen Optiken geringer ist, fällt in den Bergen weniger ins Gewicht, weil es gerade bei Distanzaufnahmen nicht so sehr also geringe Schärfentiefe ankommt.

Tipp: Wer für den Urlaub sowieso eine Kamera anschaffen will, sollte auf ein Bridge-Gerät setzen. Bei denen ist das fest installierte Objektiv meist sowieso ein Reiseobjektiv.

2. Weg mit dem Nackengurt

Selbst bei hochpreisigen Kameras steckt immer ein einfacher Nylon-Nackengurt im Karton. Für viele Fotografen die einzige Tragehilfe, die sie nutzen. Wer sich allerdings in die Berge begibt, sollte diese simple Strippe zuhause lassen:

  • Wenn Body + Reiseobjektiv stundenlang über Stock und Stein am Nacken hängen, wird dort nicht nur die Haut wundgescheuert, auch die Muskulatur wird sich bemerkbar machen.
  • Durch den langen Hebelarm schwingt die Kamera stark aus – passiert das an der falschen Stelle, sind schwungmassenbedingte, lebensbedrohliche Stürze durchaus möglich.
  • Aus dem gleichen Grund besteht das Risiko, mit der Kamera hängen zu bleiben.

Nackengurte sind für die Berge unbequem und gefährlich. Hier sollte man einige Franken in ein Brustgurtsystem investieren. Das trägt sich wie ein Rucksack, nur vorne und hält dort die Kamera zuverlässig, aber problemlos benutzbar fest und verteilt ihr Gewicht auf die Schultern und den Rücken.

Tipp: Wer feststellt, dass der die Kamera trotzdem immer wieder losschnallen will, sollte unbedingt eine Handschlaufe montieren: Ein starker alpiner Windstoss, die Kamera entgleitet einem und fällt womöglich hunderte Meter tief ins Tal.

 

3. Monopod & Wanderstock

Ein Dreibeinstativ wiegt nicht viel? Zuhause sicherlich nicht. Hat man es aber drei Stunden und länger den Berg hinaufgetragen, werden einem selbst wenige hundert Gramm wie ein Vielfaches vorkommen.

Natürlich, gerade bei den Weitdistanz-Aufnahmen mit hoher Brennweite von einem Berggipfel zum nächsten muss einfach eine feste Auflage her, sonst kann selbst die Bildstabilisierung nichts mehr ausrichten. Aber das Dreibein sollte im Tal bleiben und nur ein Einbein, ein Monopod, mitgenommen werden.

Grosser Vorteil: Das ist mangels zweier Beine und vor allem der Kipp- und Drehmechanik des Kopfes ungleich leichter. Zwar ist die Stabilität naturgemäss nicht ganz dieselbe wie beim Dreibein, weil der Fotograf das waagerechte Abstützen übernehmen muss. Etwaige daraus entstehende Unschärfen lassen sich aber auch hinterher in Photoshop via Hochpassfilter mit einigen Klicks korrigieren, sind also vernachlässigbar.

Spielt man zudem bei Google mit „Monopod + Wanderstock“ stellt man fest, dass einige Hersteller mittlerweile Kombinationen von beidem anbieten, was weiteres Gewicht spart – bislang mussten sich bergwandernde Fotofreunde mit Eigenkonstruktionen helfen.

4. Nie ohne Raincover und Plastiktüte

In den Bergen kann das Wetter tückisch-schnell umschlagen; das steht in wirklich jedem Wanderführer. Bedeutet, auch wenn beim Losgehen das Wetter schön ist, sollte man nie damit rechnen, trockenen Fusses zurückzukehren.

Darauf aufbauend sollte man sich auch niemals auf Versprechen von Rucksackherstellern wie „absolut wasserdicht“ verlassen; gleiches gilt für Kameragehäuse und Linsen. Sobald sich der Himmel zuzieht, sollte man seine Kamera mit einem Raincover bedecken; das lässt weiterhin Fotografieren zu.

Schüttet es jedoch, wird es Zeit, die ganze Kamera in eine grosse Plastiktüte (das kann auch ein simpler Müllbeutel sein) zu stecken, sie zu verknoten und mit der Öffnung nach unten im Rucksack zu deponieren – schon weil die regenbedingt-hohe Luftfeuchtigkeit sich im Kamera-Inneren niederschlagen kann und dort langwierig herausgetrocknet werden muss. Der Bergurlaub ist der falsche Ort für Experimente mit tausenden Franken teurem Equipment.

 

5. Hilfreiches aus dem Jagdbedarf

Auch abseits des Winters gibt es am Berg Tage, die haben das wunderschönste Fotolicht, sind aber eisig kalt. So kalt, dass herkömmliche dünne Fingerhandschuhe, mit denen man die Kamera noch normal bedienen könnte, nichts mehr bringen.

Wer dennoch mit der Kamera arbeiten möchte, sollte sich im Jagdsportbedarf sogenannte Ansitz-Fäustlinge besorgen. Dick gefütterte Fausthandschuhe, bei denen aber die Möglichkeit gegeben ist, den Stoff über dem Zeigefinger oder auch allen Fingerkuppen nach hinten zu klappen; was dem Waidmann beim Schiessen hilft, ermöglicht dem Bergfotografen das Auslösen. Und: im warmen Handschuh könnte man theoretisch sogar einen Fernauslöser bedienen…

 

6. Gern mit UV-Filter

Sinn und Unsinn von UV-Filtern vor den Objektiven von Digitalkameras sind eines der grössten Fotografie-Stammtischthemen. Wer jedoch am Berg fotografiert, sollte seinem Reiseobjektiv durchaus ein hochwertiges Stück vorschrauben. Aus mehreren Gründen:

  • Je höher man kommt, insbesondere bei Schnee, desto stärker die UV-Einstrahlung. Zwar haben Digitalkameras auf dem Chip eine eigene UV-Schutzschicht, aber „doppelt hält besser“ – insbesondere, weil der Chip-Filter dem ungeschützt durchs Spiegelreflex-Objektiv blickenden Fotografenauge nichts nützt.
  • Wenn es am Berg „richtig bläst“, fliegen oft auch kleinste Steinchen. Besser die verkratzen den vorgeschraubten UV-Filter als die vorderste Objektivlinse.
  • Stolpern kann man ebenfalls immer. Abermals dient der Filter dann als zweite Schutzschicht für das Objektiv.

Zumal man bedenken sollte, dass ein derartiger Filter tatsächlich nur zweistellige Gramm-Zahlen auf die Waage bringt. Die spürt man selbst am Berg auch nach Stunden nicht.

 

 

Bildquellen:

1) stock.adobe.com © scharfsinn86

2) stock.adobe.com © studio v-zwoelf

3) stock.adobe.com © Marat

 

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