Guter Grip, hoher Schaft? Die richtigen Wanderschuhe für Sommer und Winter finden
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Guter Grip, hoher Schaft? Die richtigen Wanderschuhe für Sommer und Winter finden

Guter Grip, hoher Schaft? Die richtigen Wanderschuhe für Sommer und Winter finden

In kaum einem anderen Land wandern die Menschen so gern wie in der Schweiz. Innerhalb von sechs Jahren – zwischen 2008 und 2014 – stieg der der Anteil der Wanderer um beinahe sieben Prozent an. Durchschnittlich 860 Franken investieren die Schweizer jährlich für ihren favorisierten Sport. Einen erheblichen Teil davon geben sie für die passenden Outdoor-Schuhe aus. Diese sind für Jung und Alt von weitreichender Bedeutung. Einerseits schützt das wetterfeste Schuhwerk zuverlässig vor Verletzungen, andererseits erhöht es den Tragekomfort. Doch nicht alle Wanderschuhe sollten in jeder Jahreszeit eingesetzt werden. Während rutschfeste Halbschuhe im Sommer ausreichen, benötigen Wanderer im kalten Winter robuste Bergschuhe für alpine Touren.

 

Wandern im Sommer: Die Beschaffenheit des Geländes bestimmt den Outdoorschuh

Auf die landschaftliche Vielfalt und dem verbundenen Erleben der Natur legen die Schweizer einer Studie zufolge grossen Wert. Abwechslungsreiche und gut erhaltene Wanderwege mit Naturbelag ziehen die Wanderer beschädigten Wegen ohne Markierungen vor. Ohne das geeignete Schuhwerk kommen die Wanderer selbst bei einer kurzweiligen Tour nicht weit. Denn die gesamte Reise steht und fällt mit den richtigen, jahreszeitüblichen Wanderschuhen. Wer mit einem gescheiten Paar Wanderschuhe seine Schritte zurücklegt, läuft effektiver und unterbindet Verletzungen im Fuss- oder Knöchelbereich.  

Unabhängig von der Jahreszeit besteht der erste Schritt vor dem Loslaufen in der groben Einteilung der Wanderschuhe. Outdoor-Schuhe, die zum Bergsteigen taugen, sind nicht automatisch die beste Wahl für ebene und überschaubare Waldwanderwege. Eine sinnvolle Kategorisierung macht es erheblich leichter, das passende Schuhwerk zu finden.

  • Halbschuhe und leichte Wanderschuhe: Diese Schuhe haben eine butterweiche Flex-Sohle und einen niedrigen Schaft, sind besonders bequem und komfortabel und gut gedämmt. Daher eignen sie sich zum Einsatz in Wald und auf Wiesen, bei Spazierwegen oder bei Wanderwegen mit geringen Steigunen.
  • Allwetter-Wanderschuhe: Das Schuhwerk weist eine stabile und dicke Sohle auf und zeichnet sich durch guten Grip aus. Dadurch ist es besonders fest, stabil, komfortabel und regentauglich, hat jedoch kein wärmendes Innenleben. Solche Schuhe eignen sich besonders für Tagestouren mit mittelschweren Gepäckstücken bis zu 35 Litern und für befestigte Wanderwege mit leichtem Anstieg oder aber matschige Wege oder Flachland und Voralpen.
  • Klassische Trekkingstiefel: Mit ihrem hohen Schaft und der steifen Sohle für optimalen Halt sind diese Stiefel verwindungssteif, gedämmt, regentauglich, aber nicht allzu wärmend. Zum Einsatz kommen sie am besten auf steinigen Wegen und unwegsamem Gelände im Mittelgebirge. Aber auch bei mehrtägigen Sommertouren mit viel Gepäck (40-70 Liter Fassungsvermögen) passen sie hervorragend.

 

Kletterfreudige Wanderinnen benötigen spezielle halbhohe Zustiegsschuhe

Unter die Kategorie der Halbschuhe fallen ebenfalls die sogenannten Zustiegsschuhe. Sie sind optisch nicht so ansprechend wie die Multisport-Wanderschuhe mit ihrem alltagstauglichen Design. Ihre robuste und steife Laufsohle macht sie vor allem für Kletterer zu einem empfehlenswerten Schuhwerk. Durch die leichte Kante am vorderen Innenfuss rutschen die Kletterer an den Felsvorsprüngen der Schluchten nicht ab. Je glatter die Gummisohle ist, desto besser haften die Schuhe auf dem Untergrund. Das Obermaterial richtet sich hingegen nach dem Einsatzzweck der Schuhe.

Wer an einem Sommertag eine Tour durch die Areuse-Schlucht zurücklegt, kommt im bewaldeten Gebiet mit leichten Leder-Schuhen aus. Ein felsiger, nasser Untergrund beim Klettern erfordert wiederum ein wasserfestes Modell aus schnell trocknendem Meshgewebe. Bei einer Klettertour mit kombinierter Flusswanderung ist darüber hinaus eine rutschfeste und stark profilierte Sohle unerlässlich.


Spezielle Trekking-und Expeditionsschuhe sind vor der ersten Wanderung einzulaufen. Bei den ersten Gehversuchen im Trockenen stimmen sich Füsse, Socken und Schuhe aufeinander ab.

 

Schwere Trekking- und Bergstiefel mit Daunenfutter für winterfeste Wanderungen

Auf den hohen Schweizer Bergen in den Alpen fallen jährlich bis zu 25 Meter Schnee. Auch die Gipfel der Alpenränder werden jährlich von dutzenden Metern Schnee bedeckt. Somit benötigen selbst die Aktiven, die gelegentlich einen Wanderausflug als Freizeitaktivität unternehmen, anspruchsvolle Trekking- oder Bergwanderstiefel.

Das wichtigste Kriterium, das die Winterwanderstiefel eindeutig von den Sommerschuhen abgrenzt, ist die Isolierung. Gleich, ob es sich um einen Bergwanderstiefel oder Trekkingschuh handelt: Das Material muss die Füsse zwingend von der Bodenkälte abschotten. Leichte Leder- und Synthetikstoffe reichen bei glatten und vereisten Wegen nicht aus. Naturstoffe aus Daunen, Schafs- oder Lammwolle erweisen sich als die wärmsten Begleiter auf dem Fuss. Sie halten die Isolierleistung selbst im nassen Zustand aufrecht, sodass der feuchte Schnee nicht in die Fasern eindringt. Kunstfaser und Fleece erreichen keine so optimale Isolierleistung wie Woll- und Daunenschuhe.

 

Schuhe mit harter Sohle sind bei alpinen Bergtouren erforderlich

Ein besonderes Augenmerk gilt es auf die Sohlensteifheit zu richten. Winterschuhe mit weichen Sohlen biegen auf, wodurch Nässe, Schnee oder Steine ins Schuhinnere gelangen. Eine steife Sohle aber durchbricht die Schneeschicht und findet auf den vereisten Hangpassagen Halt. Je steifer die Sohle insgesamt beschaffen ist, desto besser eignen sich die Stiefel für alpine Schneewanderungen. Besonders bei langen Bergtouren durch den Schnee in 3000 bis 4000 Metern Höhe ist ein ausgezeichneter Fersensitz vonnöten. Die Zehen sollten maximal einen Zentimeter oder eine Fingerbreite nach vorn Platz haben.

Ein zu grosser Trekkingschuh ist auf einer heraufordernden Gipfeltour auf dem Monte-Moro-Pass oder auf das Matterhorn bei Zermatt eher hinderlich. Das bei jedem Schritt entstehende Reiben lässt schmerzhafte Blasen an den Füssen entstehen. Ratsam ist also, sich bei der Wahl der alpinen Winterwanderschuhe besonders viel Zeit zu nehmen. Da sich das Fussvolumen im Laufe des Tages verändert, sollten die aktiven Wanderer das Schuhwerk am Nachmittag anprobieren. Eine Ausnahme sind die Winterwanderschuhe aus Leder. Da sich das Material mit zunehmender Beanspruchung erwärmt und ausdehnt, lässt sich ein solcher Schuh morgens besser einlaufen.

Wer die Füsse vor der Wanderung sorgfältig mit Hirschtalg-Salbe eincremt, beugt Blasen vor.


Wer die Füsse vor der Wanderung sorgfältig mit Hirschtalg-Salbe eincremt, beugt Blasen vor.

 

Schafthöhe – weniger ist bei schweren Expeditionsschuhen manchmal mehr

Grundsätzlich sollten die steigeisentauglichen, engen Expeditionsschuhe für Wandertouren im Schnee mindestens knöchelhoch sein. Wie hoch der Schaft schlussendlich ausfällt, richtet sich erheblich nach der Gepäckmenge. Es gibt unterschiedliche Empfehlungen zur idealen Schafthöhe im Winter. Bei Winterwander- und Trekkingschuhen, die höher als zum Knöchel reichen, wird die Muskulatur in den Füssen beim Laufen nicht trainiert. Dieser Umstand könnte Verletzungen begünstigen, da die Muskeln nicht ausreichend beansprucht werden. Andererseits schützt ein hoher Expeditionsschuh mit tiefem Profil den Knöchel vor dem Umknicken im Schnee. Als Faustregel gilt: Wer weit mehr als 30 Liter Gepäck im Schnee transportiert, sollte zu einem stabilen Schuh mit hohem Schaft greifen.

 

Sommer- und winterfeste Wanderschuhe richtig pflegen: So funktioniert es

  • Zwischensohlen aus Kunststoff benötigen sehr viel Pflege. Um das Material langfristig zu erhalten und zu schützen, sollten die Schuhe in einem gut belüfteten, kühlen und trockenen Raum stehen.
  • Fliessendes Wasser löst hartnäckigen Schmutz
  • Seife und die Reinigung in der Waschmaschine schädigen das Obermaterial.
  • Nach der Wanderung sollten die Schuhe abends ausstopfen und trocknen, um Unterkühlungen vorzubeugen.

 

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