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Anforderung
T1
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Körperliche Anforderung
Mittel
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Dauer
02:45 h
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Distanz
10.4 km
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Aufstieg
280 m
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Abstieg
319 m
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Tiefster Punkt
465 m
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Höchster Punkt
626 m
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Beste Jahreszeit
Highlights
- Riesige Findlinge auf dem Steinenberg und dem Steinhof
- Idyllischer Burgäschisee mit Badi, Feuerstellen, Bootsverleih & Restaurant
Highlights
- Naturschutzgebiet Burgäschisee: Hunde an der Leine führen, Bräteln nur an vorgesehenen Feuerstellen, baden nur in der Badi Burgäschisee und am Badeplatz erlaubt
Ausgangspunkt dieser abwechslungsreichen Wanderung ist die Bushaltestelle Grasswil Oberdorf im Kanton Bern. Von hier führt der Weg zunächst der Krautgasse entlang, bevor man kurz darauf nach links in die Brütschrain einbiegt. Schon bald weisen die Schilder der Solothurner Waldwanderung die Richtung. Nach einem kurzen Abschnitt auf einer Teerstrasse, vorbei an Einfamilienhäusern, geht der Weg in einen angenehmen Wanderpfad über.
Bald taucht man in den Wald ein und erreicht die erste Infotafel des Themenwegs «Auf den Spuren der Gletscher». Wer aufmerksam unterwegs ist, entdeckt beidseits des Wegs immer wieder versteckte Findlinge. 495 dieser Gneisblöcke wurden 1966 rund um Steinhof und Steinenberg gezählt. Dies ist die grösste Ansammlung von zurückgelassenen Steinblöcken im Kanton Bern. Sie stammen aus dem südlichen Wallis und wurden vor rund 20’000 Jahren vom Rhonegletscher hierher transportiert – eine beeindruckende Reise von rund 180 Kilometern, die etwa 1500 Jahre dauerte.
Auf ihm findet sich die grösste Dichte an durch Gletscher zurückgelassenen Steinblöcken im Kanton Bern. 1966 wurden 495 Findlinge gezählt.
Nach etwa einer halben Stunde lohnt sich ein kurzer Abstecher: Beim Wegweiser zweigt rechts ein Pfad zum rund 100 Meter entfernten Schalenstein ab. Dieser geheimnisvolle Findling ist von zahlreichen, von Menschenhand geschaffenen runden Vertiefungen übersät. Ihr Alter liegt im Dunkeln, dürfte aber mehrere Tausend Jahre betragen. Solche Schalensteine sind in ganz Europa verbreitet, ihre genaue Bedeutung bleibt jedoch rätselhaft. Vermutlich dienten sie kultischen Zwecken, etwa für Opfergaben. Im Volksmund tragen sie klangvolle Namen wie Blut-, Druiden- oder Hexenstein. Nicht wenige betrachten diesen Platz als besonderen Kraftort.
Zurück auf dem Hauptweg setzt man die Wanderung auf der Route der Solothurner Waldwanderung fort. Der Wald am Steinenberg weist eine ungewöhnliche Struktur auf: schmale, teils nur zehn Meter breite, dafür kilometerlange Parzellen prägen das Bild. Diese Aufteilung geht auf das Mittelalter zurück, als die Bauern von Grasswil hier Holz schlugen. Nach etlichen Auseinandersetzungen mit Burgdorf als Eigentümerin konnten sie den Wald im Jahr 1839 erwerben und unter sich aufteilen. Jeder Bauer erhielt ein dorfnahes und dorffernes Stück Wald zugeteilt – Spuren dieser Geschichte sind bis heute sichtbar.
Am Waldrand verlässt man den Themenweg kurzzeitig und wandert geradeaus weiter durch offenes Gelände. Alternativ kann man den markierten Wegweisern folgen; beide Varianten führen später wieder zusammen. Kurz vor dem Bauernhof Inners Hözli geht es links auf einen Teerweg und kurz darauf rechts auf einen Feldweg, der sanft bergab führt und schliesslich in einen breiten Waldweg mündet.
Durch den Wald geht es nun hinunter, bis sich plötzlich der Blick ins Tal öffnet. Der Weg führt weiter zu einer Weggabelung, wo man links bergauf wandert. Bald erreicht man wieder die Route der Solothurner Waldwanderung, die zum idyllischen Weiler Sunnhalde führt. Nachdem man an der Bushaltestelle Grasswil Sonne und am Wegweiser Rägehaule vorbei gegangen ist, geht es ein kurzes Stück auf der Teerstrasse hinauf, dann zweigt man nach rechts auf den Waldweg ein. Nun bald auf schmalem Pfad und kurz steil aufsteigend, dann geht es wieder auf breiten Wanderwegen weiter in Richtung Steinhof.
In Steinhof SO wartet ein eindrückliches Naturdenkmal: die Grossi Flue. Mit rund 1200 Kubikmetern Volumen und etwa 3500 Tonnen Gewicht ist sie der grösste Findling im Mittelland und der drittgrösste der Schweiz. Auch dieser gewaltige Block wurde vom Rhonegletscher aus dem Val de Bagnes hierher transportiert. Daneben steht ein markanter «Menhir», der an ein kleines Matterhorn erinnert. Die Bedeutung dieser Findlinge war schon im Mittelalter so gross, dass sie dem Dorf Steinhof seinen Namen gaben.
Bereits im 19. Jahrhundert erkannte man den besonderen Wert dieses Naturdenkmals: 1869 wurde die Grossi Flue von der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft gekauft und unter Schutz gestellt. Damit konnte ihre drohende Zerstörung im Zuge des Eisenbahnbaus verhindert werden. Seit 1971 stehen zudem alle Findlinge im Kanton Solothurn unter Schutz.
Von der Grossi Flue geht es weiter über einen Feldweg zum Findling Chilchliflue. Auch dieser Block wurde vom Rhonegletscher einst hierher getragen. Er ist zwar kleiner als die Grossi Flue, aber mit 370 Kubikmeter Volumen gehört er doch zu den grössten der Region. Wie bei einer Spitze eines Eisberges sind nur 150 Kubikmeter sichtbar.
Der Sage nach galt der Findling als Fruchtbarkeitsstein, der als «Rutschstein» oder «Chindlistein» bezeichnet wurde. Frauen die sich ein Kind wünschten rutschten mit nacktem Po den Findling hinunter. Danach, so die Sage, sollen sie mit einem Kind beschenkt worden sein. Die Rutschbahn ist auf dem Findling deutlich sichtbar.
Mit herrlicher Aussicht auf die Jurakette erreicht man schliesslich Steinhof SO, eine kleine Exklave des Kantons Solothurn und teil des Wasseramts. Schon von weitem ist die Kapelle sichtbar, die seit 1720 im Dorf steht. Einer Sage zufolge geriet ein Pilger vom Steinhof auf dem Weg nach Einsiedeln in Lebensgefahr und gelobte, im Falle seines Überlebens eine Muttergottes-Statue in seine Heimat zu bringen. Nach seiner glücklichen Rückkehr wurde dieses Versprechen eingelöst: Dorfbewohner stellten Land zur Verfügung und halfen beim Bau der Kapelle, in der die Schwarze Madonna seither einen Ehrenplatz hat.
Nach der Kapelle biegt man nach links in die Kirchgasse ein und danach erneut nach links die Dorfstrasse. Kurz darauf geht es nach rechts in die Seebergstrasse, dem gelben Wegweisern und wieder den Schildern Solothurner Waldwanderung folgend. Die Seebergstrasse mündet bald in den Feldweg und dann in den Waldweg in Richtung Burgäschi. Die Zürich-Bern-Strasse vorsichtig querend, dann ist man kurz darauf am idyllischen Burgäschisee und biegt nach links auf den Wanderweg ab. Das Gebiet rund um den Burgäschisee steht unter Naturschutz. Hunde sind an der Leine zu führen, Bräteln darf man nur an vorgesehenen Feuerstellen und baden ist nur in der Badi Burgäschisee und beim vorgesehenen Badeplatz erlaubt.
Der kleine Burgäschisee im Grenzgebiet der Kantone Solothurn und Bern, entstand nach dem Rückzug Rhonegletschers vor etwa 15000 bis 20000 Jahren. In einer Mulde blieb ein riesiges Stück Eis liegen und bildete ein Toteissee. Um Kulturland zu gewinnen, wurde der See bis 1942 mehrmals abgesenkt. In der Folge verschwand zunehmend einer der grössten Erlenbruchwälder der Schweiz. Bruchwälder benötigen nassen, zeitweise überflutete Böden. Die mangrovenartigen Stelzwurzeln der Erlen sichern ihr überleben. Heute wird diese einzigartige Baumart zunehmend von der Esche verdrängt.
Archäologische Grabungen zeigen, dass bereits vor 6000 Jahren Menschen am Burgäschisee gelebt haben. Reste von Pfahlbaudörfern kamen dabei zum Vorschein und Feuersteine aus der Alt- und Mittelsteinzeit wurden gefunden. Die Pfahlbausiedlungen Burgäschisee gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Der weich gepolsterte Weg mit Holzschnitzel führt stellenweise durch Wald und direkt am Seeufer entlang. Dort dominieren Schilf, Rohrkolben, Sumpf-Seggen, Erlen und Weidengebüsche. Ein Refugium für Vögel, wie den Teichrohrsänger, und Laichgebiet für einige Fisch- und Amphibienarten. Unterwegs gibt es immer wieder mal die Möglichkeit über Stege hinaus zum See zu treten um den einzigartigen Moorsee näher zu geniessen. Am nördlichen Seeende befindet sich direkt am Ufer eine schöne Feuerstelle mit Sitzbänken und Tisch.
Zum Schluss bietet sich, je nach Jahreszeit, noch die Möglichkeit in der Badi ein Sprung ins Wasser machen oder sich ein Ruderboot zu mieten. Gleich neben dem Strandbad befindet sich das Restaurant Seeblick (+41 62 530 15 15) mit grossen Sonnenterrassen zur Einkehr. Die Bushaltestelle Burgäschi ist von dort nur fünf Gehminuten entfernt.
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