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Wie wunderbar und wunderlich erscheint doch das Hotel Rosenlaui, nach einer langen, oder auch kurzen, Wanderung. Man tritt über die Türschwelle und kommt in einem Juwel an, so kostbar erscheint es, dass man eigentlich nie mehr weg möchte. Im Salon beim Nachmittagstee, inmitten von wunderschönen alten Möbeln aus den Jahren 1861 und 1905, mit Bibliothek, geniesst man noch die Zeit zum Lesen, zum Reden und zum Sein.
Die Hotelzimmer sind alle gegen Berge und Bach gerichtet, man hört das Rauschen des Wassers und geniesst die atemberaubende Aussicht auf das kleine Wellhorn, Dossenhorn und die Engelhörner mit den bizarren Zacken. In der Ferne, und doch nur ein paar wenige Gehminuten entfernt, hört man das Gurgeln der Gletschertöpfe aus der Gletscherschlucht Rosenlaui. Sie ist einen Besuch wert. Auf einem gut gesicherten Weg wandert man vorbei an wuchtigen Wasserfällen, romantischen Grotten und bizarren Felsschliffen. Ständig ist die unbändige Energie des Gletscherwassers spürbar: Mal wirbelt es um einen Gletschertopf, mal fällt es über eine Felsstufe, zwängt sich durch einen Engpass, schäumt, sprudelt, gurgelt. Gewaltig, atemberaubend, erfrischend.
Ein Paradies für Wanderer. So kann man neben dem Besuch der Rosenlauischlucht eventuell auch den Aufstieg zur Dossenhütte (T4 – Alpinwandern) oder zur Engelhornhütte (T3 – anspruchsvolles Bergwandern) wagen. Oder einfach mal zur Grossen Scheidegg hinauf wandern.
Die Anfänge
1771 entdeckte der Senn Andreas von Bergen zufällig beim Arbeiten die Schwefelquelle. Überzeugt von der Heilkraft des Wassers dachte er sofort an seine kranke Frau, die an offenen Beinen litt. Durch regelmässiges Baden in der Quelle erhoffte er die Heilung seiner Frau. Kurz darauf entschloss sich der geschäftstüchtige Senn, die Rosenlaui-Alp zu kaufen. 1773 baute er eine einfache Badehütte mit Unterkunft. Alsbald sprach es sich herum, und Glieder- und Magenkranke kamen aus dem ganzen Land ins Rosenlaui.
Goethe, Nietsche, Tolstoi
Ende des 18. Jahrhunderts wurde, infolge Berichten von Reiseschriftstellern, der Übergang von der Kleinen zur Grossen Scheidegg so bekannt, dass man nun auch den Rosenlauigletscher besuchte. So wanderte auch Johann Wolfgang von Goethe 1779 von Grindelwald über die Rosenlaui auf die Grosse Scheidegg bis nach Guttannen. In einem Brief hielt er fest: «[…] Der Weg ins Haslital ist der angenehmste, den man gehen kann […] Der erste Blick vom Berg herab in das Hasliland ist frappierend – die Gegend ist erstaunlich weit und angenehm.»
Mit den Anfängen des Alpinismus und Erstbesteigungen vieler Viertausender im 19. Jahrhundert veränderte sich die Haltung gegenüber der früher furchteinflössenden Bergwelt. Immer mehr Menschen zog es hinaus in die Natur, hinauf in die Berge.
1862 wurden alle drei Rosenlaui-Kuranlagen Opfer eines verheerenden Brandes. In der Folge wurde ein neues Gasthaus gebaut, welches bis heute Hotelgäste beherbergt. 1904, in den goldenen Jahren, kam der prächtige Jugendstilbau hinzu und wurde damit ein richtiges mondänes Kurhotel mit Badehaus und Tennisplatz. Die Oberschicht mit Dienerschaft liess sich nun mit der Sänfte hinauftragen. Mit damals 160 Betten war das Rosenlaui das grösste Hotel im Oberhasli.
1903 sorgte der Tourismuspionier Kaspar Brog mit der Erschliessung der nahen Gletscherschlucht Rosenlaui für eine weitere Attraktion. Mit dem Bau von Eisenbahnstrecken, vorallem der Brünigbahn, kamen immer mehr Touristen. 1912 verschüttete zwar ein Erdrutsch die Schwefelquelle und setzte dem Badebetrieb ein Ende, aber nicht dem Erfolg. Erst mit dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise und dem Ersten Weltkrieg geriet das Tal in Vergessenheit.
Aus dem Dornröschenschlaf
1960 kaufte Ernst Kehrli das Hotel und erweckte es zu neuem Leben. Heute führt sein Sohn Andreas zusammen mit seiner Frau Christine das Haus mit viel Liebe zum Detail. Jedes der 25 Zimmer ist ein Original. Auf Schritt und Tritt über knorrige Böden, wo einst die Oberschicht wandelte, wird Geschichte spürbar zum Erlebnis: In den Zimmern die Waschschüssel mit der Kanne, der Chaise longues, die Wände zierenden Trompe-l’Oeil-Tapeten – alles original erhalten. Ein eigenes Bad mit Dusche? Nein. Im Hotel Rosenlaui gibt es diesen vermeintlichen Luxus nicht, dafür Entschleunigung und vorallem den absoluten Luxus in unserer heutigen Zeit: Ruhe.
Hotel Rosenlaui
Andreas & Christine Kehrli
3860 Rosenlaui
+41 33 971 29 12
Bilder: Hotel Rosenlaui (Ernst & Christine Kehrli)
Text: Yvonne Zürrer, WegWandern.ch
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